Montags auf Pro7: V - Die Besucher

Die Aliens sind unter uns

Die Aliens sind unter uns

Comeback der Reptilien-Aliens! Morena Baccarin, Scott Wolf und Elizabeth Mitchell erzählen, warum "V - Die Besucher" auch heute noch fesselt

Die 80er-Serie "V - Die außerirdischen Besucher kommen" löst bei Sci-Fi-Fans wehmütige Erinnerungen aus. Die Story um Echsen in Menschengewand sorgte für angenehmes Schaudern inklusive Polit-Botschaft: Die als Gutmenschen getarnten Reptilien waren eine Anspielung auf die Nazis.

2011, 25 Jahre später, kam die Serie mit neuen Gesichtern zurück auf den Bildschirm. Ikonenschändung oder eine angemessene Neufassung? Die Stars Morena Baccarin, Elizabeth Mitchell und Scott Wolf verteidigen ihre Serie, auch wenn sie die Bedenken der Fans verstehen.

Morena Baccarin (2005)

TV SPIELFILM: Warum wagte man sich an ein Remake dieser Serie?

ELIZABETH MITCHELL Unser Ansatz war mehr eine Neuverfilmung. Ein Szene-für-Szene-Remake hätte mich nervös gemacht. Wir nehmen nur die Ausgangslage und gehen unseren eigenen Weg.

SCOTT WOLF Es gibt immer noch diese Neugier, was passieren würde, wenn morgen ein außerirdisches Raumschiff bei uns landet. Aber heute gibt es etwas, was wir vor 25 Jahren nicht gefühlt haben: Seit 9/11 existiert die Angst, dass der Mensch neben uns uns Schaden zufügen könnte.

MORENA BACCARIN Dieses Klima ist eine ideale Kulisse für Angst, und genau damit spielen wir: Wie verhalten sich Menschen unter diesen Voraussetzungen?

TV SPIELFILM: Waren Sie Fans des Originals?

SCOTT WOLF Ich war noch ziemlich jung. Meine Eltern waren sich nicht sicher, ob ich sie sehen soll. Aber mein Bruder durfte und musste mir am nächsten Tag alles erzählen. Ich habe "V" quasi durch seine Augen erlebt.

MORENA BACCARIN Ich musste sogar Jahre warten. In Brasilien lief die Serie viel später als bei euch.

ELIZABETH MITCHELL Ich habe sie live gesehen. Ich durfte eine Stunde am Tag fernsehen und habe mich ganz ruhig verhalten, damit meine Eltern mich vergessen.

TV SPIELFILM: Aber die Allegorien haben Sie damals noch nicht verstanden?

MORENA BACCARIN Für mich war es purer Eskapismus. Ich weiß noch, wie sich die Haut abschälte und die Reptilienschuppen sichtbar wurden. Das hat mir mächtig Angst eingejagt.

ELIZABETH MITCHELL Ich empfand sie dazu auch noch als skandalös und ein bisschen sexy - was für eine 14-Jäh­rige natürlich sehr reizvoll ist.

TV SPIELFILM: Morena, Sie waren schon in "Firefly" und "Stargate". Was gefällt Ihnen an Science-Fiction?

MORENA BACCARIN Ich finde das Genre sehr kreativ und fantasievoll. In gewisser Weise ist es fast wie Theater zu spielen, weil man viel mit Vorstellungskraft arbeitet.

TV SPIELFILM: Und Sie beide? Was reizt Sie
an diesem Genre?


ELIZABETH MITCHELL Dass alles möglich ist. Wenn man will, kann man es einfach als aufregende Unterhaltung sehen. Aber schaut man unter die Oberfläche, entdeckt man dort alle möglichen interessanten, hochgeistigen Dinge.

SCOTT WOLF Ganz genau. Spezialeffekte sind schön und gut, Reptilienhaut ist hübsch, aber wenn sich die Zuschauer nicht für die Geschichte und die Charaktere interessieren, hat man verloren. Ich bin mit "Star Trek" aufgewachsen und war als Kind gefesselt davon. Allerdings bin ich nie zu Fantreffen gegangen oder habe mich gar als Klingone verkleidet.

TV SPIELFILM: Glauben Sie denn an Aliens?

ALLE DREI Ja!

TV SPIELFILM: Haben Sie eher die romantische "E. T."-Vorstellung oder die
"Independence Day"-Vision?


MORENA BACCARIN Oh, ganz definitiv "Independence Day".

SCOTT WOLF Ich bin ein optimistischer Mensch, also "E. T." Es ist übrigens ein interessanter Kommentar zur menschlichen Natur, dass wir meistens annehmen, Aliens wollten uns an den Kragen.

TV SPIELFILM: Was halten Sie vom Gerücht, dass die Serie ein Kommentar zur Obama-Regierung ist?

MORENA BACCARIN Ich möchte klarstellen, dass ich nicht Obama bin. Meine Figur schürt zwar auch Hoffnung - unter anderem durch kostenlose Gesundheitsfürsorge -, aber die Serie wurde geschrieben, bevor Obama ins Amt kam. Dass sie so interpretiert wird, ist allerdings wundervoll. Schließlich zeigt das, wie zeitgemäß unsere Geschichte ist.

SCOTT WOLF Ich war sogar begeistert von der Entwicklung. Immerhin haben wir es so bis ins Weiße Haus geschafft: Ein Journalist hat den Pressesprecher dort gefragt, ob er von "V" gehört hat.

TV SPIELFILM: Und was war die Antwort?

SCOTT WOLF Er sagte, er habe Kinder und würde daher nur "Spongebob" kennen. (lacht)

Rüdiger Meyer